Es ist der Apfel selbst, der uns seine Geschichte erzählt: Eine sehr emotionale Geschichte von Irrwegen und Enttäuschungen, aber auch von einer bewussten Umkehr und von kreativen und fleißigen Menschen in einem wunderschönen Land.
Seit einigen Jahrzehnten bin ich für die Wirtschaft meiner Heimat Südtirol von großer Bedeutung. Früher habe ich Wiesen und Äcker mit Birnen-, Kirsch-, Zwetschgen- und Aprikosenbäumen geteilt, und die Getreidefelder waren meine liebevollen Nachbarn. Dann ging alles sehr schnell. Wir sollten ab sofort auf kleineren Bäumen, die in schnurgeraden Reihen eingepflanzt wurden, wachsen und sehr oft wurden wir Zeugen von Taten, die wir nicht verstehen konnten. In der Folge flogen keine Vögel mehr und die Schmetterlinge besuchten uns nicht mehr. Sie waren einfach nicht mehr da. Jahre vergingen und irgendwie lebten Wiesen und Felder traurig und teilnahmslos in die Jahreszeiten hinein.
Doch es kam anders. Wir durften den Menschen zuhören, wie sie über ihre Taten sprachen, wie sie begannen, über ihre Taten nach zu denken und sie zu bewerten: „Es kann doch nicht sein, dass wir unseren eigenen Grund und Boden vergiften und zugrunde richten,“ hörten wir sie sagen. Die jungen Menschen sprachen über ihre Erfahrungen in der Schule und die etwas älteren waren heilfroh, neue und bewusste Wege gehen zu dürfen. Und es dauerte nicht lange und unsere Vögel und Schmetterlinge kamen zurück, und sie sangen jetzt noch freier und fröhlicher als noch vor Jahren. Und die Schmetterlinge, diese zartesten Wesen, freuten sich besonders auf ihre neue, duftende Welt. Und dies nicht deshalb, da jetzt alles in Ordnung und vollendet war, sondern weil Vögel und Schmetterlinge das gute Gefühl hatten, dass sich etwas in die richtige Richtung entwickeln würde.
Da gab es zwei Menschen, die uns von einem neuen Projekt namens „Apfel-Liebe“ zuflüsterten: In neuen, eigenen Kleidern werden wir von freundlichen Menschen zu den Gastgebern unserer Heimat gebracht; zu jenen Menschen, die Gäste einladen in unser herrliches Stück Land zu kommen, um hier ihre verdiente Ferienzeit zu verbringen. Auf unserem neuen Kleid tragen wir unser Erkennungszeichen. Sie werden uns mit nach Hause nehmen und sich beim Apfelessen an Südtirol erinnern. In den Supermärkten zu Hause werden uns die Gäste an jenem Zeichen wieder erkennen.
Wir Äpfel freuen uns deshalb besonders auf die Menschen, da wir wissen, dass wir nun wieder gesündere Äpfel sind: Äpfel, die mit dem Gesang der Vögel und in froher Nachbarschaft mit den Schmetterlingen aufgewachsen sind.
Weitsichtige Gastgeber nehmen sich Zeit und freuen sich, uns Äpfel an die geschätzten Gäste weitergeben zu dürfen. Die Gastgeber wissen, dass sie mit ihrem Einsatz jene Obstbauern unterstützen, die unsere Heimat prägen, eigene Wege suchen und sich in den vergangenen Jahren positiv weiter entwickelt haben. Und dies nicht auf Grund von Belehrungen, sondern in Folge von eigenen Erkenntnissen und Erfahrungen und begleitet von starken Genossenschaften und Institutionen.
Sie wissen aber auch, dass sie mit einem Teil des Gewinns jene Bauern unterstützen, die oben auf den Berghängen schwierigere Situationen vorfinden und Naturlandschaften zu Kulturlandschaften und kostbaren Lebensräumen wandeln und diese durch ihren Einsatz erhalten. Mit Teilen des erwirtschafteten Geldes werden Projekte unterstützt, die finanziell derzeit nicht abgesichert sind, aber den Bergbauern neue Perspektiven geben werden. Zum Beispiel kann die Philosophie der kurzen, aufrichtigen Wege unterstützt werden. Wir sahen, wie viele Mühlen restauriert worden sind. Die Getreidefelder aber fehlen. Die Südtiroler Familien, aber auch die Gastgeber wünschen sich heimisches Getreide für Nudel, für Brot, für verschiedene andere Produkte.
Die Gastgeber wissen aber auch, dass ein Teil des erwirtschafteten Geldes der Apfel-Liebe ihnen selbst durch die Bewerbung wieder zugute kommt. Naturliebende potentielle Gäste werden auf unser Land aufmerksam werden und gerne zu uns kommen. Die Menschen finden wieder zur Einfachheit und zu den authentischen Erzeugnissen zurück und werden die kleinen Kreisläufe wieder wertschätzen. Denn Gesundheit ist allen ein großes Anliegen.
Alle wissen, dass mit dieser Initiative Arbeit suchende Menschen eine sinnvolle Beschäftigung haben werden; wir haben von sozial bedürftigen Menschen gehört, von Studenten, von Alleinerziehenden, von Müttern ohne Job, von älteren Menschen, die mit ihrer Rente nicht auskommen, um nur einige zu nennen. Auch das wird die Gastgeber motivieren an der Idee, am Projekt mitzuwirken.
Der Weg des Apfels ist also ein überzeugter Weg des Kreises. Die starke Säule der Tourismuswirtschaft reicht der Landwirtschaft die Hand. Ein starker Bund von Menschen für Mitmenschen, die wertvolle Arbeit leisten wollen, aber ohne Unterstützung oft nicht auskommen. So wird die Brücke zwischen Land- und Tourismuswirtschaft geschlagen. Die Menschen, die an diesen Kreis, an diese gemeinsamen Ziele und Wirklichkeiten glauben, sind die Träger, die Pfeiler, auf denen diese Brücke steht. Die Gäste, alle Menschen, die an das Gute glauben, sind diejenigen, die diese Brücke auch benützen und sich über diesen Handschlag freuen. Ein Lächeln der Dinge.
